Handschlag nach dem Konzert : Shovels and Rope.

Also, ich musste mich eben nicht verkleiden, um in Köln im Blue Shell das Konzert meiner Wahl zu sehen. Ich habe gerade das Gegenteil von dem erlebt, was sich dieser Tage in Berlin rund ums Astra abspielte bei jener Band, die sich neuerdings Pseudo-Geheimnamen gibt und auf viral macht. Ich will nicht gegen Reflektoren stänkern. Nichts gegen jene Band, die ich einmal vor rund drei Jahren im Tempodrom gesehen habe.

Shovels and Rope

Heute aber das direkte Gegenteil von dieser Band.

Heute Shovels and Rope.

  • Erdig und nicht verkopft.
  • Erstes Konzert in Germany.
  • Blanke Emotion.
  • Charleston, South Carolina, und nicht Montreal.
  • Cowyboy-Stiefel statt Glamour-Klamotten.
  • Ihr könnt anziehen, was Ihr wollt, statt Euch einem Dress-Code zu unterwerfen. Stichwort: „fancy“.
  • Zwei Leute auf der Bühne statt 9 oder so.
  • Alle, die da waren, werden von den Künstlern am Ende des Konzerts persönlich begrüßt. Also, mit Handschlag: „Danke, dass Ihr hier seid!“

Shovels and Rope

Und während ich die Band aus Montreal, die so arenenkompatibel ist, dass sie jetzt auf klandestin macht, weiter via Spotify streamen werde, habe ich gerade Shovels& Rope gekauft. Einfach so. Damit die beiden sich gleich noch ein Bier kaufen können. Von den 9 Dollar bleibt hoffentlich was übrig, da ich mir die Mühe gemacht habe, über deren Dualtone-Store zu kaufen und nicht über iTunes. So zahle ich gern.

Lebte ich in South Carolina, wäre ich gern mit denen befreundet und würde gern mit denen einen Tee oder was auf der front porch trinken.

IMG_4483Also, ich finde, die beiden haben einen warmen Empfang in Berlin verdient. In Köln waren wir 20. Das ist ein Minus-Geschäft. In Berlin werden es 200. Mindestens. Wer offen ist für Americana, Folk, Country, handgemachte Musik, der wird Freude haben. Die beiden beschreiben ihre Musik in ihren FAQs so: „They sing harmony driven folk, rock and country songs using two old guitars, a kick drum, a snare, a few tambourines, harmonicas, and and maybe a little keyboard sometimes.  They tour constantly as a two piece, making as much noise as they can.“

Wer die Videos kennt wird süchtig: Sommer, South-Carolina, Hunde:

Advertisements
Veröffentlicht unter Pop | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Rant und Gegenrant – Deutsch vs. Englisch in Berlin

Ich füge einfach mal meine Lieblingstweets zum Thema in umgekehrt chronologischer Reihenfolge aneinander. Meine kleine Mini-Doku:

4) – zuletzt @humblenudge, der als US-Amerikaner ulkigerweise auf die wechselseitigen Beschimpfungen von Menschen mit angloamerikanischem Hintergrund auf Deutsch antwortet:

3) – davor @foxeen:

2) – heute morgen @uberlin:

1) – und das war der Auslöser im Exberliner:

Ulkige Randbemerkung, btw: Ich bin Abonnent des Heftes. Es liegt in Papierform seit ein paar Tagen vor mir. Aber den Rant auf Seite 23 habe ich erst heute im Netz wahrgenommen, als der Link von Tondatei auf Facebook gepostet wurde.

Mein erster Reflex war: Wenn jetzt auch noch der Exberliner in dieses xenophobe Horn stößt, wird mir angst und bange. Ich möchte nicht allein gelassen werden mit der   „Ditt-ham-wa-nich“-Fraktion. Aber wozu all dies Ge-rant-e? Es gibt doch auch zahllose angloamerikanische Muttersprachler, die besseres Deutsch sprechen als jene Froilleins, die dereinst dem Deutschen entgegen blafften: „Draußen gibt’s nur Kännchen.“

Veröffentlicht unter Berlin | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Erst die Ausländer, dann die Schwaben, jetzt die Zombies – alle raus?

Zombies raus! So las ich in der vergangenen Nacht und musste laut lachen. Die Plakatkleber der „FPD“ haben zugeschlagen. Ich entdeckte ein Quäntchen Ironie in der oft so ironiefrei geführten G-Debatte, was wohl meiner guten Laune geschuldet war. Einmal drüber geschlafen sehe ich das anders. Ohne in die eine oder andere Richtung mich politisch äußern zu wollen (das wird mir zunehmend egal), hat dieses FPD-Plakat doch was Exkludierendes. Ich plädiere für Inklusion – in alle Richtungen. Vielleicht können Zombies und FPD-Menschen ja zusammen leben?

 

copyright: Andreas Main

copyright: Andreas Main

Veröffentlicht unter Berlin | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Mein Retter Azzam

Der Schock steckt mir noch in den Knochen. Portemonnaie weg. Ich denke nach. Da ich nonstop an einer Detroit-Sendung (Achtung, Eigenwerbung: DLF, Corso-Spezial, 3.10.2012, 15.05-16 Uhr!) arbeite, kann es nur vor 24 Stunden verschwunden sein. Da war ich mit @humblenudge verabredet zum Hummus-Essen.

Ich wollte da immer schon mal hin, hatte mir auch einen Zeit-Artikel über dieses Restaurant abgelegt. (Wir Medienheinis lieben ja solche Geschichten: Ein Palästinenser und ein Israeli können sich immerhin über Hummus verständigen, während sie doch so viel trennt.)

Es war extrem lecker. Wir haben uns für Foul und Hummus entschieden. Azzam ist im tiefsten Neukölln gelegen – auf der Sonnenallee. Eine krasse Gegend: Teile der veröffentlichten Meinung nutzen diese Ecke rund um die Rütli-Schule leidenschaftlich als Synonym für gescheiterte Integration. Andere aus selbigem Klischee-Gewerbe wiederum verharmlosen die Probleme dieser Berliner Nachbarschaft. Gleichzeitig wird die Gegend über alles geliebt von jungen Menschen, egal ob aus Hannover oder Portland/Oregon oder Madrid.

Wie auch immer: Auf der Sonnenallee lässt man keine Geldbörse rum liegen. Ich habe es getan und würde diese Dummheit nicht öffentlich machen, erzählte dies nicht einiges über diese Stadt, dieses Berlin, über die ich so oft lästere.

Also, 24 Stunden später, ich suche noch mal die Wohnung ab, finde nichts. Ich checke online meine Konten, ob schon alles leer geräumt. Ruhe an dieser Front. Ich sperre die Karten noch nicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich fahre hin. Azzam hat viele Mitarbeiter. Aber ich erkenne den jungen Chef sofort – wegen des Zeit-Artikels. Hussam Azzam heißt er. Ich frage ihn, ob er ein Portemonnaie gefunden hat. Er mit ernster Mine: Nein, das täte ihm leid. Nichts. Um dann loszuprusten: „Da waren nur 10€ drin. Die sind immer noch drin.“ Aus mir bricht der Satz raus: „Alter, das glaube ich nicht.“ Ich wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen. Das tue ich leider nicht, erheitere stattdessen das gesamte Restaurant mit meiner Freude darüber, dass ich nicht Karten sperren, Karten, Führerschein etc. nachbestellen muss.

Im übrigen weigert sich Azzam, als ich ihm anbiete: „Du bekommst mein ganzes Bargeld.“ Erst als ich es als Trinkgeld für alle Mitarbeiter umdeklariere, verschwindet es in seiner Hosentasche.

Danach bin ich so aufgekratzt, dass ich noch nicht mal in der Lage bin, anständige Fotos zu machen. Auf jeden Fall gebe ich Azzam recht. Er prophezeit: „Du kommst sicher wieder.“ Und im Stillen denke ich: Gut, dass es gute Menschen gibt. Überall.

Veröffentlicht unter Berlin | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 4 Kommentare

Street Art – mysterious…

Vor einer Woche pendelte ich mal wieder von Köln nach Berlin. Auf meinem Fußweg von der Warschauer Brücke in Richtung Görlitzer Park fotografierte ich übermüdet Street Art, die mir über den Weg lief. Oder besser: zu laufen schien. Denn der junge Mann und die junge Frau sahen im Dunkeln überaus real aus.

Street art @ Falckensteinstraße, Berlin, Kreuzberg, Germany

copyright: Andreas Main

Und ein paar hundert Meter oder drei Minuten weiter:

Street art @ Görlitzer Straße, Berlin, Kreuzberg, Germany

copyright: Andreas Main

Also, da oben – das sind Fotos, die ich mit dem iPhone gemacht habe. Ich zeigte sie hier und dort, aber dann vergaß ich sie. Tage später holten mich die alte Dame und der junge Mann wieder ein bzw. packten mich erneut. Seitdem lassen sie mich nicht los. Ich musste noch mal nachschauen und mit besserer Kamera fotografieren.

Street art @ Falckensteinstraße, Berlin, Kreuzberg, Germany

copyright: Andreas Main

Vor diesen Figuren stehend dachte ich nur: Klasse. Großes Kino. Aber noch immer fielen mir die Schuppen nicht von den Augen.

Street art @ Görlitzer Straße, Berlin, Kreuzberg, Germany

copyright: Andreas Main

Erst gestern Nacht machte es Klick, als ich die Bilder groß zoomte. Diese Street Art hat noch eine weitere Ebene. Es ist nicht nur die Irritation: Als schliche da neben einem jemand an der Wand lang. Es ist mehr: und zwar offenbar Material von Google Street View. Auf jeden Fall verbindet die beiden Personen nicht nur, dass es sich offensichtlich um einen Künstler handelt, sondern auch die Tatsache, dass in der Bildmitte „Google 2008“ zu lesen ist.

Das scheinen Prints zu sein aus Google-Street-View-Seiten. Also: Erst digitalisiert Google Menschen, dann kopiert ein anonymer (?) Künstler diese Menschen, klont sie als Print und lässt sie wieder frei, setzt sie aus an anderer (?) Stelle…

Vielleicht ist das alles ein alter Hut, und es ist schon 1.000 Mal drüber geschrieben worden. Und nur ich habe das nicht mitgekriegt. Dann sagt mir bitte: Wer ist der Artist? Gibt es noch mehr davon? (Ich habe gerade keine Zeit zur Recherche aka Googeln.) Falls dies also eine olle Kamelle ist, verzeiht, sonst staunt mit mir.

 

Nachtrag, zwei Wochen später: Ich erfahre gerade, dass das Projekt „Street Ghosts“ heißt. Es ist von einem New Yorker Künstler: Paolo Cirio. Und es ist tatsächlich brandneu. So neu, dass ich offenbar mehrere Tage vor seiner Pressemitteilung über sein Projekt geschrieben habe. Und auch gut eine Woche vor den ersten Zeitungsberichten. Im übrigen ist es schon interessant, dass ein Leipziger Künstler offenbar eine ähnliche Idee hatte. Er verkauft seine Arbeiten in Galerien.

Veröffentlicht unter Berlin | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Sky hat mein Leben verändert

Es war einmal ein Boxer: Der hat mir als Kind einen Ball zerbissen. Und es war einmal ein Vater: Der musste mich vor einem Rottweiler schützen, der mich überragte und mich bei einer Wanderung im Schwarzwald fressen wollte. Ich bin kein Hundefreund seitdem. Eher ein Schisser. Das überspiele ich, imdem ich Sprüche klopfe, mit denen ich mir keine Freunde mache. Etwa: Nur ein toter Hund ist ein guter Hund.

Wenn ich einen Kampfhund sehe, wechselte ich am liebsten die Straßenseite. Was mir allerdings als zu entwürdigend erscheint, weshalb ich fast immer drauf verzichte. Der Stolz gebietet es.

Seit gestern ist alles anders.

 

 

 

 

Ich traf in Köln vor der Haustür die Besitzerin von Sky. Sky ist ein American Stafford. Der Nickname für diese Hunderrasse: Amstaff. Manche würden ihn wohl auch als Pitbull oder Bullterrier bezeichnen. Da wir in Portland / Oregon in Kürze bei Freunden wohnen, die vier Hunde haben, davon einen Kampfhund, was mich bis dato nervös machte, habe ich die Chance beim Schopf ergriffen und etwas getan, was die, die mich kennen, mir nicht glauben werden:

 

 

Ich habe mich der Hundehalterin ganz und gar anvertraut und diesem sehr kräftigen Tier etwas zu Fressen gegeben. In Treatment: Angstabbau, Grenzüberschreitung, Enthemmung. Es war wie auf Drogen.

Dann sagte Uschi Müller, die Hundehalterin, ich solle das Leckerli mal so halten, dass Sky springt und den Käse in der Luft erhascht. Das erschien mir dann doch ein bisschen zu gewagt.

 

 

Aber immerhin: Ich riskierte es, Sky nicht nur mit der flachen Hand zu füttern, sondern mit spitzen Fingern. So geschah es mehrfach, dass meine Hand im Mund eines American Stafford landete.

 

 

Ich fühlte mich wie im Zirkus: wie jene Frau, die sich vor diese Scheibe stellt und sich mit Messern bewerfen lässt, oder jener Mann, der den Kopf ins Maul eines Tigers steckt. Oder eines Löwen. Voll die Endorphin-Ausschüttung.

 

 

So ganz sicher war ich aber meiner Sache wohl doch nicht. Andernfalls täte ich nicht so grenzdebil dreinschauen. Aber ich muss belegen, dass es wirklich ich bin, der dieses monströse Tier namens Sky gestreichelt hat.

 

 

Amerika, nun kann ich kommen! Portlanders, jetzt darf ich Euch besuchen. Jetzt kann ich ehrlich ausrufen: So cute!, wenn ich Eure Kampfhunde streichele.

Veröffentlicht unter Köln | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Mit dem neuen Objektiv in meiner Hood

Ich habe mir ein neues Objektiv gekauft. Es war lange nicht lieferbar. Die Erdbeben- und Atom-Katastrophe hat auch die Produktion bei Nikon beeinträchtigt. Ich würde gern mit Menschen aus Japan reden, wie es ihnen heute geht. Derweil mache  ich Fotos in meiner Nachbarschaft. Die Qualität der Fotos fasziniert mich – und so lasse ich Euch an meinen Fotos teilhaben und denke zugleich fortwährend an jene, die vom Meer davon gespült oder später verstrahlt wurden.

Uns geht es dagegen zur Zeit sehr gut:

Frühling trotz winterlicher Temperaturen

Heute mal weniger geschwätzig. Einfach nur Bilder. Will ja das neue Objektiv transparent machen. Es ist nichts superteures. Einfach nur: Nikkor Lens AF-S Nikkor 50mm F / 1.8

Veröffentlicht unter Berlin, Spree | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen