Es war einmal ein Boxer: Der hat mir als Kind einen Ball zerbissen. Und es war einmal ein Vater: Der musste mich vor einem Rottweiler schützen, der mich überragte und mich bei einer Wanderung im Schwarzwald fressen wollte. Ich bin kein Hundefreund seitdem. Eher ein Schisser. Das überspiele ich, imdem ich Sprüche klopfe, mit denen ich mir keine Freunde mache. Etwa: Nur ein toter Hund ist ein guter Hund.
Wenn ich einen Kampfhund sehe, wechselte ich am liebsten die Straßenseite. Was mir allerdings als zu entwürdigend erscheint, weshalb ich fast immer drauf verzichte. Der Stolz gebietet es.
Seit gestern ist alles anders.
Ich traf in Köln vor der Haustür die Besitzerin von Sky. Sky ist ein American Stafford. Der Nickname für diese Hunderrasse: Amstaff. Manche würden ihn wohl auch als Pitbull oder Bullterrier bezeichnen. Da wir in Portland / Oregon in Kürze bei Freunden wohnen, die vier Hunde haben, davon einen Kampfhund, was mich bis dato nervös machte, habe ich die Chance beim Schopf ergriffen und etwas getan, was die, die mich kennen, mir nicht glauben werden:
Ich habe mich der Hundehalterin ganz und gar anvertraut und diesem sehr kräftigen Tier etwas zu Fressen gegeben. In Treatment: Angstabbau, Grenzüberschreitung, Enthemmung. Es war wie auf Drogen.
Dann sagte Uschi Müller, die Hundehalterin, ich solle das Leckerli mal so halten, dass Sky springt und den Käse in der Luft erhascht. Das erschien mir dann doch ein bisschen zu gewagt.
Aber immerhin: Ich riskierte es, Sky nicht nur mit der flachen Hand zu füttern, sondern mit spitzen Fingern. So geschah es mehrfach, dass meine Hand im Mund eines American Stafford landete.
Ich fühlte mich wie im Zirkus: wie jene Frau, die sich vor diese Scheibe stellt und sich mit Messern bewerfen lässt, oder jener Mann, der den Kopf ins Maul eines Tigers steckt. Oder eines Löwen. Voll die Endorphin-Ausschüttung.
So ganz sicher war ich aber meiner Sache wohl doch nicht. Andernfalls täte ich nicht so grenzdebil dreinschauen. Aber ich muss belegen, dass es wirklich ich bin, der dieses monströse Tier namens Sky gestreichelt hat.
Amerika, nun kann ich kommen! Portlanders, jetzt darf ich Euch besuchen. Jetzt kann ich ehrlich ausrufen: So cute!, wenn ich Eure Kampfhunde streichele.




















































